Weltwirtschaft

Nur mit moderatem Schwung ist die Weltwirtschaft in das Jahr 2013 gestartet. Im Wesentlichen befindet sich die globale Konjunktur zum Jahresanfang in einer Seitwärtsbewegung und dürfte damit zumindest die abnehmenden Zuwachsraten des zurückliegenden Jahres hinter sich gelassen haben. Gleichwohl bleibt die Lage sehr angespannt, und eine nennenswerte Beschleunigung ist – wenn überhaupt – wohl kaum vor der zweiten Jahreshälfte zu erwarten. Wie im Vorjahr werden die globalen Konjunkturperspektiven nach wie vor von der schwierigen Situation in den Industrieländern beeinträchtigt. Und unverändert ist es die Entwicklung in der Europäischen Währungsunion (EWU), die besonders kritisch ist. Auch wenn die vielfältigen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank die Risiken eines Auseinanderbrechens der EWU merklich verringert haben, sind die zugrunde liegenden Probleme der Staatsschuldenkrise bei Weitem noch nicht gelöst. Insofern ist auch für das laufende Geschäftsjahr davon auszugehen, dass gerade in Europa die Vertrauenskrise bei Investoren und Konsumenten noch über einen längeren Zeitraum anhalten wird.

Vor diesem Hintergrund sind die Konjunkturaussichten für die EWU zu Beginn des Jahres noch spürbar eingetrübt. Nach der Rezession des zurückliegenden Jahres wird sich im Jahr 2013 vermutlich bestenfalls eine Stagnation einstellen. Auch wenn die gesamtwirtschaftliche Bremswirkung der Sparmaßnahmen nicht mehr so stark sein sollte wie im Jahr 2012, so engen die unvermindert notwendigen fiskalischen Konsolidierungsbemühungen die Inlandsnachfrage weiterhin ein. Daher werden dieses Jahr nicht nur kleinere Peripherieländer, sondern auch größere Volkswirtschaften wie Italien und Spanien nochmals einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts aufweisen. Während eine ganze Reihe weiterer Länder allenfalls ein kleines Plus erreichen dürfte, sollte sich die deutsche Wirtschaft erneut merklich besser als der EWU-Durchschnitt behaupten. Aber auch hier ist es bereits sehr anspruchsvoll, ein Wachstum von mehr als 1 % zu erzielen, und die Konsenserwartungen liegen zum Jahresanfang klar darunter.

Für die US-amerikanische Wirtschaft ist der konjunkturelle Ausblick merklich besser als für Europa, und die verfügbaren Frühindikatoren bestätigen dieses Bild. Zum Jahreswechsel war das wirtschaftlich dominierende Thema das Umschiffen der sogenannten »Fiskalklippe«, die sich aus dem Wegfall von fiskalischen Stimuli einerseits und automatischen Budgetkürzungen andererseits ergeben hatte. Zwar konnten sich die politischen Lager letztendlich darauf verständigen, einen Großteil der ansonsten im ersten Quartal angefallenen fiskalischen Bremswirkung zu vermeiden, die generelle Verschuldungsproblematik der USA besteht aber weiterhin. Mit prognostizierten gesamtwirtschaftlichen Zuwachsraten von rund 2 % bleiben die konjunkturellen Perspektiven für die US-Wirtschaft deshalb begrenzt. In Japan hatten sich die Wachstumserwartungen so deutlich unter 1% verringert, dass die neue Regierung im Januar ein Konjunkturprogramm und die Notenbank weitere expansive geldpolitische Maßnahmen ankündigten.

Angesichts der mit wenig mehr als 1 % Zuwachs konjunkturell insgesamt eher enttäuschenden Industrieländer werden erneut die Schwellenländer die Weltwirtschaft stützen. In Summe sollten die Schwellenländer im Jahr 2013 um rund 5 % zulegen und würden damit drei Viertel des globalen Zuwachses tragen. Von überragender Bedeutung wird dabei sein, dass sich die wirtschaftliche Stabilisierung in China weiter festigt, die eingeleiteten Maßnahmen greifen und dann wieder ein Wirtschaftszuwachs in der Größenordnung von rund 8 % möglich ist. Wichtig wird ferner sein, dass Brasilien nach seiner letztjährigen Konjunkturdelle aufgrund einer verstärkten Investitionstätigkeit spürbar an Dynamik gewinnt und dass die indische Volkswirtschaft ihre Schwächephase überwinden kann. Aber auch in jenen mittel- und osteuropäischen Volkwirtschaften, die im Vorjahr noch Rezessionen durchlaufen haben, sollten sich im Jahr 2013 Zuwächse einstellen. Allerdings verhindert hier die Wachstumsschwäche der wichtigen westeuropäischen Absatzmärkte eine günstigere Entwicklung. Im Mittleren und Nahen Osten wiederum trüben die erheblichen geopolitischen Spannungen die Konjunkturaussichten. Eine weitere Eskalation könnte unter anderem zu großen Schwankungen bei den Rohölpreisen führen.

In Summe könnte sich damit für die Weltwirtschaft im Jahr 2013 ein Zuwachs von rund 2,5 % bis bestenfalls 3 % ergeben. Dies wäre dann erneut im langfristigen Vergleich ein unterdurchschnittliches Jahr. Außerdem bleibt die Weltwirtschaft sehr anfällig für externe Störungen. Die Geldpolitik wird in diesem schwierigen Umfeld weiterhin expansiv und unterstützend sein, dies allerdings auf Kosten von mittelfristig eher zunehmenden Risiken für die Inflation und mögliche Blasenbildungen auf Asset- und Rohstoffmärkten.

In Bezug auf die für unser Geschäft wichtigen Währungen erwarten wir weiterhin stark schwankende Wechselkursrelationen.