Forschung und Entwicklung, Umweltschutz

Forschung und Entwicklung als wichtiger Erfolgsfaktor. Forschung und Entwicklung haben bei Daimler seit jeher einen zentralen Stellenwert. Unsere Forschung antizipiert Trends, Kundenwünsche und Anforderungen an die Mobilität der Zukunft, die von der Entwicklung konsequent in serienreife Produkte umgesetzt werden. Es ist unser Ziel, unseren Kunden faszinierende Produkte und maßgeschneiderte Lösungen für eine bedarfsgerechte, sichere und nachhaltige Mobilität anzubieten. Darauf richten wir unser Technologieportfolio und unsere Kernkompetenzen aus. (Vgl. Innovation, Sicherheit und Umwelt)

Wesentliche Faktoren für den Markterfolg unserer Fahrzeuge sind das Know-how, die Kreativität und die Motivation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung. Zum Jahresende 2012 arbeiteten bei Daimler weltweit 21.100 (i. V. 23.200) Personen in Forschungs- und in Entwicklungsbereichen. Der Rückgang resultiert im Wesentlichen aus der Entkonsolidierung der MBtech Group. (Vgl. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen)
13.400 (i. V. 15.600) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Ressort Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung tätig, 5.600 (i. V. 5.500) Beschäftigte sind dem Geschäftsfeld Daimler Trucks zuzurechnen, 1.000 (i. V. 1.000) dem Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans und 1.100 (i. V. 1.100) Daimler Buses. Rund 4.300 (i. V. 4.400) Forscher und Entwickler waren außerhalb Deutschlands beschäftigt.

Die größten Standorte unseres Forschungs- und Entwicklungsnetzwerkes sind Sindelfingen und Stuttgart-Untertürkheim in Deutschland. Zu unseren Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in Nordamerika und Asien zählen Palo Alto, Kalifornien, und Portland, Oregon, sowie das Forschungszentrum für Informations- und Kommunikationstechnologie in Bangalore, Indien, und das Global Hybrid Center in Kawasaki, Japan. Auch in Peking hat im Berichtsjahr ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum von Daimler den Betrieb aufgenommen. Darüber hinaus arbeiten wir weltweit mit verschiedenen renommierten Forschungsinstituten zusammen und beteiligen uns an internationalen Austauschprogrammen für Nachwuchswissenschaftler.

Zielgerichtete Einbindung der Zulieferindustrie. Um unsere anspruchsvollen Ziele zu erreichen, arbeiten wir auch intensiv mit den Forschungs- und Entwicklungsbereichen der Zulieferindustrie zusammen. Gerade mit Blick auf den rasanten technologischen Wandel in der Automobilindustrie und die Notwendigkeit, neue Technologien möglichst schnell zur Marktreife zu bringen, ist eine enge Verzahnung mit Zulieferfirmen unabdingbar. Im Rahmen der gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeit stellen wir sicher, dass die Kernkompetenzen für Technologien, die für die Zukunft des Automobils insgesamt und die Einzigartigkeit unserer Marken wichtig sind, im Unternehmen bleiben.

2.200 Patente angemeldet. Daimler hat im Jahr 2012 insgesamt 2.200 (i. V. 2.175) Patente neu angemeldet. Die Schwerpunkte lagen in den Bereichen Antriebe und Sicherheit. Mehr als 1.000 Patentanmeldungen waren dabei dem Themenbereich emissionsfreie Mobilität, insbesondere dem Elektroantrieb mit Batterie oder der Brennstoffzelle, zuzurechnen. Wir werden in den nächsten Jahren unsere Technologie- und Innovationsführerschaft über alle Produkte und Marken hinweg mithilfe von gewerblichen Schutzrechten weiter ausbauen.

5,6 Mrd. € für Forschung und Entwicklung. Wir wollen den in der Automobilbranche anstehenden technologischen Wandel auch künftig mit richtungweisenden Innovationen aktiv mitgestalten. Deshalb haben wir im Jahr 2012 wie schon im Vorjahr mit 5,6 Mrd. € einen sehr hohen Betrag in Forschungs- und Entwicklungsleistungen investiert. Davon wurden wiederum 1,5 Mrd. € als Entwicklungskosten aktiviert. Auch gemessen am Umsatz bewegten sich die Forschungs- und Entwicklungsleistungen mit einer Quote von 4,9 (i. V. 5,3) % weiterhin auf einem hohen Niveau. Basierend auf unserer Strategie »Der Weg zur emissionsfreien Mobilität« waren neue, besonders kraftstoffeffiziente und umweltschonende Antriebstechnologien in allen automobilen Geschäftsfeldern ein wichtiger Schwerpunkt. (Vgl. Abbildung 3.25) Dabei beschäftigten wir uns sowohl mit der Optimierung konventioneller Antriebstechnologien als auch mit der weiteren Effizienzsteigerung durch Hybridisierung sowie mit Elektroautos mit Brennstoffzelle oder Batterie. Um die Effizienz unserer Fahrzeuge weiter zu steigern, setzen wir zudem an allen wichtigen Stellhebeln am Fahrzeug an – vom Energiemanagement bis zum Leichtbau. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten sind neue Sicherheitstechnologien: Im Rahmen unseres »Wegs zum unfallfreien Fahren« verfolgen wir damit das Ziel, Unfälle weitestgehend zu vermeiden oder zumindest deren Folgen für Fahrzeuginsassen und andere Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten.

Daimler GB2012 Weg zur emissionsfreien Mobilität

Die wichtigsten Projekte bei Mercedes-Benz Cars waren die zusätzlichen Modelle in der Kompaktklasse sowie die neue S-Klasse, die neue E-Klasse und die Nachfolgemodelle der C-Klasse. Darüber hinaus arbeiten wir kontinuierlich an neuen Motorengenerationen und alternativen Antriebssystemen. Insgesamt übertrafen die Forschungs- und Entwicklungsleistungen bei Mercedes-Benz Cars mit 3,9 (i. V. 3,7) Mrd. € abermals das hohe Vorjahresniveau. Daimler Trucks hat 1,2 (i. V. 1,3) Mrd. € in Forschungs- und Entwicklungprojekte investiert. Schwerpunkte waren hier der neue Mercedes-Benz Baustellen-Lkw Arocs, der für den schweren Verteilerverkehr entwickelte Antos, neue Motoren im mittelschweren und schweren Bereich sowie Nachfolgegenerationen bestehender Produkte. Bei Mercedes-Benz Vans standen Aufwendungen für die Nachfolgemodelle des Vito und Viano sowie die neue Generation des Sprinter im Vordergrund. Das Geschäftsfeld Daimler Buses hat seine Entwicklungsaktivitäten vor allem auf neue Produkte, die Erfüllung neuer Abgasnormen und auf alternative Antriebssysteme konzentriert.(Vgl. Abbildung 3.26 und Tabelle 3.27)

Daimler GB2012 Forschungs und Entwicklungsleistungen

3.27

Forschungs- und Entwicklungsleistungen nach Geschäftsfeldern
  2012 2011 12/11
in Millionen €     Veränd. in %
       
Daimler-Konzern 5.644 5.634 +0
davon aktiviert 1.465 1.460 +0
Mercedes-Benz Cars 3.863 3.733 +3
davon aktiviert 1.125 1.051 +7
Daimler Trucks 1.197 1.321 -9
davon aktiviert 180 251 -28
Mercedes-Benz Vans 371 358 +4
davon aktiviert 137 126 +9
Daimler Buses 222 225 -1
davon aktiviert 23 32 -28

CO2-Ausstoß bei Pkw weiter gesenkt. Mithilfe unserer neuen und sparsamen Motoren und der besonders sparsamen BlueEFFICIENCY-Modelle konnten wir den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der von uns in der Europäischen Union verkauften Pkw im Berichtsjahr auf 140 (i. V. 150) g/km verringern. Damit erreichten wir im Jahr 2012 wiederholt eine überdurchschnittliche Senkung des CO2-Ausstoßes unserer Fahrzeugflotte, und gleichzeitig unterschreiten wir auch die EU-Zielvorgaben für dieses Jahr. Unsere neuen Modelle benötigen bis zu 30 % weniger Kraftstoff als die Vorgängermodelle. Der seit März 2012 erhältliche E 220 CDI BlueEFFICIENCY Edition ist eines der sparsamsten Autos in seinem Segment. Dank verschiedener effizienzsteigernder Maßnahmen wie Aerodynamik-Paket, elektrischer Servolenkung (EPS), längerer Hinterachs-Übersetzung sowie rollwiderstandsarmer Reifen emittiert dieses E-Klasse Modell nur 119 g CO2/km – zehn Gramm beziehungsweise fast 8 % weniger als bisher. Das entspricht einem Verbrauch von 4,5 l Diesel auf 100 km. Mit Rekordwerten von 4,1 l Diesel/100 km und 107 g CO2/km ging im Juni 2012 der neue E 300 BlueTEC HYBRID als weltweit sparsamstes Oberklassemodell an den Start. Der genügsamste Mercedes-Benz aller Zeiten ist der A 180 CDI BlueEFFICIENCY Edition, den wir seit März 2013 an unsere Kunden ausliefern. Er benötigt nur 3,6 l Diesel auf 100 km und erreicht einen CO2-Wert von lediglich 92 g/km. Mittlerweile haben mehr als 57 % der von uns in Europa verkauften Pkw einen CO2-Ausstoß von weniger als 140 g/km.

Mit innovativen Technologien zur lokal emissionsfreien Mobilität werden wir die Verbrauchs- und CO2-Werte künftig noch stärker reduzieren. Unser Ziel ist es, die CO2-Emissionen unserer Neuwagenflotte in der Europäischen Union bis zum Jahr 2016 auf 125 g/km zu senken. Auch die Schadstoffemissionen unserer Pkw haben wir in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich verringert: um mehr als 80 % seit 1995 und um knapp 40 % in den vergangenen fünf Jahren. Noch darüber hinausgehende Reduktionen erreichen wir mit unseren BlueTEC-Diesel-Pkw. Mit der BLUETEC-Technologie sind wir bei Dieselfahrzeugen weltweit führend. Die damit ausgestatteten Pkw erfüllen die strengsten Abgasnormen und sind die saubersten Diesel-Pkw der Welt. (Vgl. Innovation, Sicherheit und Umwelt)

Verbrauchs- und schadstoffarme Nutzfahrzeuge. Auch bei den Nutzfahrzeugen haben wir den CO2-Ausstoß und die Schadstoffemissionen in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich verringert. Dies gelang, einhergehend mit der Einführung der BLUETEC-Technologie, durch neue und effizientere Motoren, eine bedarfsgerechtere Achsübersetzung sowie Verbesserungen bei den Reifen und in der Aerodynamik. Mit unseren neuen Schwer-Lkw-Motoren erfüllen wir als erster Hersteller bereits heute die ab 2014 gültige Abgasnorm Euro VI. Gleichzeitig liegt der Verbrauch dieser Motoren trotz aufwendiger Abgasnachbehandlung bei Euro V um bis zu 7 % und bei Euro VI um bis zu 4 % unterhalb des Vorgängers. Unsere neuen Actros- und Antos-Baureihen sind damit die saubersten und wirtschaftlichsten Fahrzeuge ihrer Klasse. Auf dem nordamerikanischen Markt setzen wir ab dem Jahr 2013 mit dem Schwer-Lkw Freightliner Cascadia Evolution neue Maßstäbe im Verbrauch: Im Vergleich zum aktuellen Modell benötigt der neue Lkw bis zu 7 % weniger Kraftstoff. Dies wurde im Rahmen einer einwöchigen Verbrauchsfahrt quer durch die USA gemessen und von unabhängiger Seite bestätigt. Auch unsere neuen Omnibusse überzeugen durch herausragende Verbrauchswerte. Im Record Run Buses 2012 haben der neue Stadtbus Mercedes-Benz Citaro und der neue Reisebus Setra ComfortClass 500 nach Euro VI bewiesen, dass es auch bei Omnibussen möglich ist, gleichzeitig die Abgasstufe Euro VI zu erfüllen und den Kraftstoffverbrauch um über 8 % zu reduzieren. (Vgl. Innovation, Sicherheit und Umwelt)

Insbesondere bei Nutzfahrzeugen für den Verteilerverkehr und bei Omnibussen kann der Dieselverbrauch auch durch den Einsatz der Hybridtechnik deutlich reduziert werden. So verbrauchen der neue Fuso Canter Eco Hybrid rund 25 % weniger Kraftstoff als ein vergleichbarer Diesel-Lkw und der Freightliner M2e Hybrid im Vergleich zum herkömmlichen, dieselbetriebenen M2 106 bis zu 30 % weniger Kraftstoff. Kein anderer Nutzfahrzeughersteller kann mehr Erfahrung, Erprobung und Serienreife in Sachen alternative Antriebe und Elektromobilität aufweisen – vom Transporter über den Lkw bis hin zum Omnibus. Weltweit sind weit über 880.000 umweltfreundliche Daimler-Nutzfahrzeuge mit SCR-Technologie sowie weitere 18.000 mit alternativer Antriebstechnik auf der Straße.

Für unsere Gesamtflotte in Europa verfolgen wir das Ziel, den Verbrauch unserer Lkw im Zeitraum von 2005 bis 2020 um durchschnittlich 20 % pro Tonnenkilometer zu reduzieren. Hierfür arbeiten wir weiterhin mit Hochdruck an technologischen Innovationen.

2,8 Mrd. € für den Umweltschutz. Auch im Jahr 2012 haben wir mit Nachdruck das Ziel verfolgt, die Ressourcen zu schonen und alle relevanten Emissionen zu reduzieren. Von der Fahrzeugentwicklung über die Produktion bis hin zu Recycling und umweltschonender Entsorgung haben wir dabei die Auswirkungen aller Prozesse im Blick. Im Jahr 2012 haben wir unsere Aufwendungen für den Umweltschutz um 9 % auf 2,8 Mrd. € gesteigert.

Weitreichende Verwertbarkeit von Altfahrzeugen. Um die Umweltverträglichkeit unserer Fahrzeuge zu erhöhen, verringern wir die Emissionen und den Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Schon bei der Entwicklung achten wir deshalb auf eine recyclinggerechte Konstruktion. Alle Mercedes-Benz Modelle sind zu 85 % stofflich recyclingfähig und zu insgesamt 95 % wiederverwertbar – damit erfüllen wir bereits heute die Vorgaben der ab dem Jahr 2015 geltenden EU-Richtlinie.

Bewährte Bausteine unseres Recyclingkonzeptes sind auch der Wiederverkauf geprüfter und zertifizierter Gebrauchtteile, die Aufbereitung sogenannter Tauschteile sowie das Werkstattentsorgungssystem MeRSy Recycling Management.

Umfangreiche Maßnahmen zum Umweltschutz in der Produktion. Mithilfe umweltschonender Produktionsverfahren ist es uns gelungen, den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen der Werke, die produktionsbedingten Lösemittelemissionen, Lärmbelastung und Geräuschemissionen in den zurückliegenden Jahren zu verringern. So stieg der Energieverbrauch im Zeitraum von 2007 bis 2012 deutlich unterproportional zum Produktionszuwachs nur um 2,7 % auf 10,9 Mio. Megawattstunden. Die CO2-Emissionen gingen im gleichen Zeitraum aufgrund der Umstellung auf CO2-ärmere Energieträger um 12,6 % auf insgesamt 3,2 Mio. Tonnen zurück. Mit den laufenden Energieeinsparprojekten konnten wir auch den Energiemehrverbrauch, der aus dem Produktionsanstieg und dem Anlauf der beiden neuen Werke in Indien und Ungarn resultierte, zumindest teilweise kompensieren. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Energieverbrauch daher nur um gut 6 % und die CO2-Emissionen erhöhten sich nur leicht um 0,3 %. Mit ressourcenschonenden Techniken, wie zum Beispiel Kreislaufsystemen, haben wir den Wasserverbrauch zwischen den Jahren 2007 und 2012 um über 4 % gesenkt. Im Vergleich zum Vorjahr war der Wasserverbrauch trotz der gestiegenen Produktion unverändert.

In der Abfallwirtschaft lautet unser Leitsatz: Vermeiden und verwerten sind besser als entsorgen. Das Wiederaufbereiten und Wiederverwenden von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen ist deshalb in unseren Werken seit Jahren selbstverständlich. Um Abfälle von vornherein zu vermeiden, setzen wir auf innovative technische Verfahren und eine umweltgerechte Produktionsplanung. Der Abfall, den wir nicht vermeiden können, wird weitgehend wiederverwertet. So liegt die Recyclingquote der Abfälle aus unseren Werken im Durchschnitt bei über 92 %. In einzelnen Werken wird der Abfall mittlerweile fast zu 100 % der Wiederverwertung zugeführt, sodass Deponieabfall nahezu vollständig vermieden wird.

Um unsere Aktivitäten im Umweltschutz zielgerichtet voranzutreiben, setzen wir auf umfassende Umweltmanagementsysteme: Mehr als 98 % unserer Beschäftigten weltweit arbeiten heute in Werken, deren Umweltmanagementsysteme nach den Umweltnormen ISO 14001 beziehungsweise EMAS zertifiziert sind.

Die genannten Angaben für das Jahr 2012 basieren auf einer Hochrechnung; die genauen Größen werden wir mit dem neuen Nachhaltigkeitsbericht im April 2013 veröffentlichen.